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ÖKOLOG-Schulen sind Schulen zum Wohlfühlen. Sie engagieren sich für die Umwelt und suchen nachhaltige Lösungen für soziale, ökonomische und ökologische Fragestellungen.

Vom Kurzzeitgedächtnis zur Kompetenz - Zukunft Schwalben


 

Das Langzeit – Projekt „Zukunft Schwalben“ der Österreichischen Naturschutzjugend Haslach – Natur ohne Grenzen & der Hauptschule Haslach an der Mühl

 

 

 

„Machen wir`s  den Schwalben nach . . .“

 

Den beiden Schwalbenarten eine Unterrichtseinheit mit 50 Minuten im Biologieunterricht zu widmen, ist Routine für Lehrerinnen und Lehrer und beansprucht das Kurzzeitgedächtnis der Schülerinnen und Schüler. Spätestens nach der nächsten Wissensüberprüfung gerät das Erlernte wieder in Vergessenheit. Den Jugendlichen können jedoch erfolgreiche Möglichkeiten angeboten werden, die Schwalben  in freier Natur beobachten zu lernen und dabei Wissen und in der Folge Kompetenzen zu erwerben.

Wo und unter welchen Bedingungen nisten Rauch- und Mehlschwalben in und an den Bauernhäusern? Wie unterscheiden sich Mehl- und Rauchschwalbe?  Was ändert sich für die Schwalben, wenn sich das Leben und die Wirtschaftsweise in den Dörfern wandeln,  die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe abnimmt und der Viehbestand zurückgeht? Wie können beim Schwalbenmonitoring gewonnene Erkenntnisse für die jungen Menschen dabei zur Kompetenz entwickeln?

 

 

Grundlegende Fertigkeiten werden nachhaltig erworben

 

Beim jährlichen Schwalbenmonitoring Ende Juni knüpfen wir Kontakt zu 35 Bauernfamilien und erheben in den fünf Dörfern rund um Haslach deren Rauch- und Mehlschwalbenbestand. Das Schwalbenwissen wächst so von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf und von Jahr zu Jahr. „Das ist einmalig in der Vogelwelt“, so eine spontane Äußerung eines Schülers beim jährlichen Schwalbenmonitoring.

„Die Rauchschwalbe ist jene Vogelart, die am engsten mit uns Menschen zusammenlebt“. Ohne Scheu wählt sie für ihren Nestbau auch menschliche Wohnbereiche aus, wenn wir sie nur lassen. In Schlafzimmern, Vorhäusern, KFZ Werkstätten und leer stehenden Silos, ja selbst im Konferenzzimmer der Hauptschule Haslach an der Mühl ziehen sie erfolgreich ihre Jungvögel auf. Der Großteil der Rauchschwalbennester wird jedoch in den Rinderställen dort gebaut, wo bei längeren Schlechtwetterperioden ausreichend Insektennahrung als eiserne Reserve zur Verfügung steht. Als Baumaterial verwenden beide Schwalbenarten lehmige Erdklümpchen und feuchtes Erdmaterial. Dieses wird mit Schwalbenspeichel versetzt und Schar um Schar an die Wand geklebt. Mit Federn, Halmen und Haaren wird die Nestmulde weich ausgekleidet. Dorthinein werden die Eier gelegt, ausgebrütet und die Jungen gefüttert. Für unsere Schüler eine ideale Gelegenheit, nahe am Nest der lebenden Schwalben ohne jede Störung des Brutgeschehens zu lernen.

 

 

Wie viel Höhle brauchen die Rauchschwalben?

 

Im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Bergbauer (Name geändert) in Hörleinsödt wurde aus wirtschaftlichen Gründen der Stall nun sehr viel größer neu gebaut. Der neue Stall hat keine Geschoßdecke mehr sondern steht als Kaltstall bis unter den Dachstuhl offen. Damit fällt für die Rauchschwalben ein entscheidendes Kriterium für die Wahl des Neststandortes, die Höhle, weg. Einzig die Wirtschaftsräume, in denen die täglich gewonnene Milch gekühlt und für die Abholung durch den Tankwagen vorbereitet wird, weisen eine Geschoßdecke und damit auch den für die Schwalben so wichtigen Höhlencharakter auf. Im Frühjahr bei der Rückkehr der Schwalben war der gewohnte alte Stall bereits aufgelassen und daher ohne Rinder. Er hat damit für die im April aus dem Süden ankommenden Rauchschwalben stark an Attraktivität eingebüßt. Brüteten bisher bis zu vier Rauchschwalbenpaare im alten Stall, so fanden wir im Juni kein einziges der alten Nester besetzt.

 

"Unseren Schülern und der Familie Bergbauer ist verständlich geworden, dass Artenkenntnis nur eine Voraussetzung zur Lösung des „Schwalbenschutzes“ ist. Um im neuen Stall für die Glücksbringer wieder Brutmöglichkeiten zu finden, müssen die erworbenen Schwalben – Kompetenzen nun zur Anwendung gebracht werden."

 

Ziele:
Die  Schülerinnen und Schüler können die beiden Schwalbenarten in Aussehen, Stimme und Brutbiologie unterscheiden. Sie können die Lebensbedingungen der beiden Arten strukturieren und beurteilen. Sie können für beide Vogelarten Vorschläge zum Schutz der Lebensgrundlagen erarbeiten und anwenden.

Projektpartner:
Schule im Ort, Schwalbenbauern, Österr. Naturschutzjugend Gruppen leider kaum vorhanden

Aktivitäten:
Projektmanagement, Monitoring, Schwalbenschutz, Öffentlichkeitsarbeit, Dokumentation,  . . .

Ergebnisse und Höhepunkte:
Einblick in den aktuellen Brutbestand, Interview mit den Schwalbenbauern, Bioprodukte am Bauernhof kennenlernen, . . .

Was war entscheidend für den Erfolg?
Die Schülerinnen und Schüler verlassen das Schulhaus und kommen in Kontakt mit Wissensträgern. Technische Geräte, die den Schülern privat zur Verfügung stehen, kommen sinnvoll zum Einsatz.

ZUKUNFT SCHWALBEN – Mit den Glücksbringern unter einem Dach, 64 seitige Broschüre als Dokumentation, Rauch- und Mehlschwalbe im Raum Haslach 1980 - 2012 

Prof. Karl Zimmerhackl, Mitarbeiter im ENSI Team des BMUKK, Österr. Naturschutzjugend Haslach & Hauptschule Haslach an der Mühl, Oberes Mühlviertel, Oberösterreich


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