ÖKOLOG
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ÖKOLOG-Schulen sind Schulen zum Wohlfühlen. Sie engagieren sich für die Umwelt und suchen nachhaltige Lösungen für soziale, ökonomische und ökologische Fragestellungen.

Nationalparkhauptschule Winklern

Ranger mit Kindern am Berg

Nationalparkhauptschule Winklern und Nationalpark Hohe Tauern – Eine Langzeitpartnerschaft

 

Das gemeinsame Ziel der Nationalparkhauptschule Winklern und der Nationalparkverwaltung Hohe Tauern ist es „Botschafter“ für den Nationalpark heranzubilden und diesen Gedanken auch über die Grenzen des Tales hinauszutragen1. „Wenn wir den Wert unserer Natur für die Zukunft erhalten wollen, dann müssen unsere Kinder diesen Schutz weiter betreiben“ (aus dem Leitbild der Nationalparkhauptschule Winklern).


© BIOS; K. Grießer, W. Pinter, G. Mussnig, H. Keuschnig, K. Mariacher, G. Granig, H.Dullnig, M. Lackner, E. Haslacher, T. Suntinger (Folder "NaturSportSpaß")

Wie alles begann

 

Vor allem junge Menschen sehnen sich heute nach einem Leben in der Stadt und übersehen dabei oft, in welch herrlicher Heimat sie aufwachsen! Dies gilt besonders für die Nationalparkregion Kärnten.

Die Kooperation zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern und der Hauptschule Winklern begann schon vor über 10 Jahren. Dafür gab es zwei Gründe: Einerseits erhielten die Schulen seitens des BMUKK den Auftrag, sich einen Schwerpunkt zu setzen und ein Schulprogramm zu entwickeln. Andererseits hat der Nationalpark neben den Aufgaben Naturschutz und Forschung auch einen Bildungsauftrag. Deshalb war die Zusammenarbeit mit der Schule auch für den Nationalpark eine gute Möglichkeit in Kontakt mit der jungen Generation zu kommen und Werte wie Schutz der Natur und regionale Identität zu fördern.

„Da haben sich zwei … Partner gefunden. ... Und die zwei haben was gebraucht, der Nationalpark damit er sich weiterentwickeln kann, damit er seine Leute beschäftigen kann und die Schule weil sie das Leitbild gebraucht hat. Das ist eine Fügung gewesen.“ (Lehrer)2

Im April 2002 unterzeichneten der Kärntner Nationalparkfonds und die Nationalparkhauptschule Winklern einen Partnerschaftsvertrag, nachdem zuvor bereits vereinzelt gemeinsame Projekte durchgeführt worden waren. Seitdem trägt die Hauptschule Winklern den offiziellen Namen „Nationalparkhautpschule“.

Logo der Nationalparkhauptschule Winklern
© BIOS

Nach einer vielversprechenden zweijährigen Pilotphase entschlossen sich die Partner gemeinsam ein Leitbild für die Nationalparkhauptschule zu entwickeln.  So traf sich am 29. April 2004 am Sadninghaus im Astental eine Steuerungsgruppe, bestehend aus einem Vertreter der  Schule und Experten der Nationalparkverwaltung und ließen unter der erfahrenen Moderation des international anerkannten Naturschutzexperten Dr. Christoph Imboden aus der Schweiz zwei Tage lang die Köpfe rauchen. Ergebnis war ein zukunftsorientiertes Leitbild, welches den Weg zum mehrjährigen Schulprojekt „NaturSportSpaß“ ebnete, das vom Kärntner Nationalparkfonds finanziell unterstützt wird.

 

 

 

Ziele

 

Das gemeinsame Ziel der Nationalparkhauptschule Winklern und der Nationalparkverwaltung Hohe Tauern ist es, „Botschafter“ für den Nationalpark heranzubilden. Die SchülerInnen sollen die Ziele des Nationalparks verstehen.

Als konkrete Ziele sind definiert:

  • Die SchülerInnen für den Naturschutz zu sensibilisieren,

  • Bei den SchülerInnen das Bewusstsein für die Nationalpark-Idee zu stärken,
  • Neue Möglichkeiten für Zusatzeinkommen in der Region zu schaffen,

  • Die regionale Identität der SchülerInnen zu stärken,

  • Alle Beteiligten sollten Enthusiasmus entwickeln.

Den SchülerInnen sollte die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung der Region, sowohl für die Umwelt, die Bevölkerung und die Wirtschaft, bewusst werden, damit sie Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen können und wollen. Außerdem sehen wir die SchülerInnen auch als MultiplikatorInnen, wir hoffen, dass sie ihr Wissen und ihren Enthusiasmus mit nach Hause und in ihre Familien tragen.

 

Gruppe vor Gletscherspalte
© BIOS

 

Projektpartner

 

Beteiligt am Projekt sind in erster Linie die LehrerInnen der Nationalparkhauptschule und die NationalparkbetreuerInnen und –ranger, die Nationalparkverwaltung, die Personal und finanzielle Unterstützung zur Verfügung stellt, die Eltern, die den Kindern erlauben an den Outdoor-Programmen teilzunehmen, aber auch die Hüttenwirte, die durch die Exkursionen und Alpinkurse involviert sind, sowie weitere Personen der Gemeinde, wie Bauern, Jäger, etc., die fallweise durch Projekte einbezogen werden (oft sind diese gleichzeitig auch die Eltern der SchülerInnen).

 

Nationalparkhauptschule Winklern

A-9841 Winklern 80
Tel: 04822276; Fax: DW - 4

Ansprechperson:


Mag. Dr. Gustav Tengg
HS-Direktor; E-Mail und

HL Kurt Grießer
Tel. 0650 676 77 60, E-Mail

 

Nationalpark Hohe Tauern Kärnten

A-9843 Großkirchheim, Döllach 14
Tel: 04825/6161: Fax: DW -16
E-Mail

 

 

 

Aktivitäten

 

Die SchülerInnen sollen einerseits theoretisches Wissen über die besondere Region erhalten, in der sie leben, aber darüber hinaus auch die Einzigartigkeit des Schutzgebietes hautnah in Form von Exkursionen und Alpinkursen erleben. Deshalb wurde neben einer Adaption der Lehrpläne gemeinsam das Programm „Erlebnis Nationalpark – NaturSportSpaß“ entwickelt.

Das Projekt begleitet alle SchülerInnen der Nationalparkhauptschule von der ersten bis zur vierten Klasse. Jeder Schulstufe sind dem Alter entsprechend Schwerpunktthemen zugeordnet. Eine Exkursionen führt die Erstklässler zu den Glocknerwiesen, eine Fahrradtour zum Kachlmoor und dem Gartlfall, in der zweiten Klasse geht es um Kulturgeschichte in den Hohen Tauern, etwa zum Goldbergbau und zum Nationalparkzentrum BIOS, in der dritten Klasse auf den Geotrail und in der vierten Klasse steht Tierbeobachtung bei einer Schneeschuhwanderung auf dem Programm.

Neben den Exkursionen finden auf Schutzhütten des Nationalparks dreitägige Alpinkurse im Winter und Sommer mit jeweils steigenden Anforderungen statt. Begleitet werden die SchülerInnen dabei neben den Lehrpersonen von speziell ausgebildeten Nationalparkbetreuern, die Alpinkurse auch von Berg- und Schiführern und ein Kurs von einem Mitglied der Bergrettung. Dazu erhält jede/r Schüler/in eine Basisausrüstung: Hüttenschlafsack, Schlauchtuch, Verbandszeug, eine Trinkflasche, sowie ein Projekt-Tagebuch. Die SchülerInnen schreiben während der Aktivitäten ein Lerntagebuch, wo sie ihre Erfahrungen, Eindrücke und Lernergebnisse festhalten und reflektieren. Nach erfolgreicher Absolvierung des dritten Kurses können die SchülerInnen die Auszeichnung „Nationalpark-Junior-Ranger“ erlangen.

Zusätzlich bietet der Nationalpark ein eigenes Fortbildungsprogramm für die LehrerInnen der Hauptschule an. Dieses unterstützt bei der Vor- und Nachbereitung der Kurse.

Das Programm „NaturSportSpaß“ soll die Jugendlichen dazu animieren, die Vorzüge der Region nicht nur zu erkennen und zu bewahren, sondern auch selbst zu nutzen.

„Die Nationalparkbetreuer sind wirklich total engagiert … Die sind wirklich von Anfang an mit Herz dabei gewesen und es ist auch die Beziehung der Schüler zu den Rangern, die ist ganz toll. Und auch unter uns Kollegen, es ist wirklich eine super Zusammenarbeit. Wir können uns total auf die Nationalparkranger verlassen und auch umgekehrt. Sie bringen das Wissen, das sie haben, unheimlich toll ein. Das war von Anfang an echt fein.“ (Lehrer)

„Basiert natürlich auf Gegenseitigkeit, sobald sie was brauchen von uns, sind wir natürlich auch jederzeit bereit und über das Programm hinausgehend sie zu unterstützen und was zu machen.“ (NP-Ranger)

 


© BIOS

© BIOS

Ergebnisse und Höhepunkte

 

Das Unterrichtsprojekt „NaturSportSpaß“ schärft das Bewusstsein der SchülerInnen für den Wert ihres Lebensraums nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern in Form erlebnisorientierten Lernens in der Natur, bei dem auch Sport und Spaß nicht zu kurz kommen.

Sie saugen die Sachen auf wie ein Schwamm. Also sie hängen den Nationalpark Rangern direkt an den Lippen… von einigen extremstes Interesse. Sie empfinden das nicht als Schule, sondern als eine andere Lernform. Es ist Spaß.“ (Lehrer)

Der Unterricht im Freien, außerhalb des Klassenzimmers, lässt die SchülerInnen die faszinierernde Natur des Nationalparks mit allen Sinnen begreifen und ermöglicht außerdem soziales Lernen

Das Verhalten ändert sich sicher ein bisschen, weil sie ein bisschen rücksichtsvoller sind am Abreisetag, wie am ersten Tag(Hüttenwirt).

Rangerin beim Spiel mit Schülerinnen
© BIOS

 

Für die Weiterarbeit in der Schule bietet das Projekt vielfältige Anknüpfungspunkte für fächerübergreifendes Lernen (Tiere und Pflanzen im Nationalpark, Menschen im Nationalpark, das Spannungsfeld und die Verzahnung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen, die Zukunft der Nationalparkregion).

Eine externe Evaluation3 durch die Alpen-Adria Universität Klagenfurt (Rauch, Dulle & Zois 2010) zeigte auf, dass die Projektziele erreich werden konnten. Einem Großteil der SchülerInnen wurde durch die intensiven Erfahrungen im Projekt und den direkten Kontakt mit den VertreterInnen des Nationalparks die Bedeutung des Nationalparks für die Region und die Wichtigkeit des Naturschutzes bewusster. Die Selbsteinschätzung der SchülerInnen weist auf eine respektvolle Haltung gegenüber der natürlichen und kulturellen Ressourcen der Region hin. Die SchülerInnen lernen aber auch die Spannungsfelder der Region verstehen, nämlich dass der Nationalpark einerseits dem Naturschutz verpflichtet ist, andererseits die Region aber auch Lebensraum der Menschen ist und ihnen ein wirtschaftliches Auskommen durch Landwirtschaft und Tourismus bieten muss. Eine Befragung der BewohnerInnen im Nationalpark brachte allerdings auch das Ergebnis, dass der Nationalpark zwar als wichtiger ökonomischer Faktor in der Region wirkt, dass der Nationalpark alleine aber nicht die jungen Leute davon abhalten kann, die Region zu verlassen, da sie nicht genug Arbeitsplätze bietet und kaum Möglichkeit für weiterführende Bildung wie auch für Industrieansiedlungen. Durch das Projekt wurde dennoch die regionale Identität der SchülerInnen gestärkt. Eines der wichtigsten Highlights des Kooperationsprojektes ist die Einbeziehung des Großteils der BewohnerInnen der Gemeinde Winklern und das gemeinsame Ziel der nachhaltigen Entwicklung der Region unter Beachtung der Spannungsfelder: Naturschutz versus Tourismus und Landwirtschaft, bescheinigt uns die externe Evaluation.

Der Kooperationsvertrag war zunächst auf fünf Jahre ausgerichtet. Danach wurde die Zusammenarbeit evaluiert woraufhin der Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert wurde (bis zum Jahr 2014).

 

 

 

Was war entscheidend für den Erfolg

 

Ein Erfolgsfaktor war sicherlich, dass die Schule und der Nationalpark auf bereits existierende Kontakte und Synergien zurückgreifen konnten.

Beigetragen zum langfristigen Bestand des Kooperationsprojektes hat vor allem:

  • der persönliche Einsatz und das Engagement der LehrerInnen und NationalparkvertreterInnen,

  • die klare Zieldefinition im Kooperationsvertrag und die Evaluation dieser Ziele,

  • die erfolgreiche Integration der Umweltthematik und des Programms „NaturSportSpaß“ in unser Schulcurriculum,

  • und die Win-Win Situation aller involvierten Partner:
  • Der Nationalpark kann seinen Bildungsauftrag erfüllen.
  • Die Schule hat ein attraktives Schulprofil und einen herausragenden Namen „Nationaparkhauptschule“
  • Die Hüttenwirte haben ein bisschen mehr Einkommen während der Schulbesuche.

Außerdem erhält die Schule finanzielle Unterstützung seitens des Nationalparkfonds für das Programm „NaturSportSpaß“.

 

 

 

Weiterführende Information

 

Infos zum Kooperationsprojekt „NaturSportSpaß“:

Website

NaturSportSpaß Folder

Ausführliche Beschreibung der Kooperation auf der Website des EU-Projekt CoDeS

Weitere Informationen:

Nationalparkhomepage

Tengg, G. (2007) Naturerbe, Kulturerbe und gesellschaftliche Entwicklung: Nationalpark Hohe Tauern.

Rauch F., Dulle M., Zois D. (Hrsg.): Kooperationsprojekte Nationalpark-Hauptschule Winklern mit dem Nationalpark Hohe Tauern Kärnten. Klagenfurt: Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Universität Klagenfurt, 2010, 125 S.

Fußnoten:

1 Die verwendeten Texte sind zu weiten Teilen der Broschüre „Gemeinsame Wege gehen. Schulprojekt NaturSportSpaß 2009 - 2014“ sowie der Präsentation Rauch, F & Dulle, M. (2012) „Case 3: National Park and School Collaboration: A long term partnership in an Austrian alpine region“ entnommen.

2 Alle Zitate dieses Dokuments stammen aus: Rauch, Dulle & Zois 2010.

3 Im Auftrag des Nationalparks Hohe Tauern Kärnten wurde die Kooperation von einem Team des Instituts für Unterrichts- und Schulentwicklung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt im Jahr 2010 durch qualitative und quantitative Methoden evaluiert (Rauch, Dulle & Zois 2010). Die Evaluation dient als ein Zwischenbericht zur Zielerreichung. Evaluiert wurde nicht nur das Programm „NaturSportSpaß“, sondern auch Einstellungen und Einschätzungen zum NP. Die Ergebnisse wurden der Schule und dem NP rückgemeldet.


© 2011 ÖKOLOG