ÖKOLOG-Schulen sind Schulen zum Wohlfühlen. Sie engagieren sich für die Umwelt und suchen nachhaltige Lösungen für soziale, ökonomische und ökologische Fragestellungen.

Uganda- ein Projekt von Schülern für Schüler

Schule: BORG Mistelbach
KoordinatorIn: Mag.a Selinger Dagmar
DirektorIn: Mag.a Zins Isabella
Inhalt
Die Idee, ein Sozialprojekt zu starten, ergab sich im Rahmen einer pädagogischen Konferenz Ende des Schuljahres 2009/10. Dabei wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, ehe wir uns an eine ehemalige Kooperation mit einer ugandischen Schule, der Micindo Mistelbach Millennium School, erinnerten. Das Projekt der Frau eines Kollegen in Kooperation mit einem ugandischen Pater war in der Vergangenheit immer wieder auch vom BORG unterstützt worden, aber nach Pensionierung des Kollegen in Vergessenheit geraten. Auch den jetzigen SchülerInnen war die MMM-School nicht mehr bekannt.
Helmut Kesselgruber, der ehemalige Kollege, der die Schule inzwischen von seiner verstorbenen Frau „geerbt“ hatte, wurde informiert und zeigte sich sofort begeistert.
So nahm das Projekt seinen Lauf.

Ende des Schuljahres 2009/10 fand eine Informationsveranstaltung von Prof. Kesselgruber über die Schule in Uganda mit Videobeiträgen für interessierte KollegInnen statt, die zum Teil von der Existenz der Schule auch noch nicht wussten
→ Entscheidung fiel, das Projekt wiederzubeleben. Unsere SchülerInnen sollten die ugandische Schule, das Land, dessen Kultur und Natur in Form eines großen fächerübergreifenden Projekt kennenlernen und dann in einem weiteren Schritt Geld für die Schule in Uganda sammeln
Treffen im August → es wurde konkretisiert, dass diesem Projekt das ganze erste Semester gewidmet werden sollte, alle Kolleginnen aller Disziplinen sollten insofern eingebunden werden, als sie im Regelunterricht verschiedene Themenfelder Ugandas gemeinsam mit den SchülerInnen entdecken.
Es sollte sich um ein Schulprojekt handeln, an dem alle SchülerInnen beteiligt sind, was uns vor eine große Herausforderung stellte, da so ein Projekt auch für unsere Schule Neuland war.
Besonders intensiv sollten sich die SchülerInnen der 7. Klassen beteiligen, deren Aufgabe es auch werden sollte, das große Charity-Event zu organisieren, dessen Reinerlös der MMM-School zugute kommen sollte.


Das Projekt wurde in mehreren Etappen über den Zeitraum von 8 Wochen umgesetzt und gliederte sich in 4 Abschnitte bzw. Bereiche:

4.1. Der Uganda-Informationstag am 8.10.2010:
für SchülerInnen aller 7. Klassen und interessierte KollegInnen
Es fand Stationenbetrieb zu folgenden Themen statt (wobei wir besonders stolz sind, dass wir so viele kompetente externe Experten gewinnen konnten)
-) Allgemeine Information über Micindo Mistelbach Millenuim School, gestaltet von Prof. Kesselgruber, mit Videoberichten über Aufbau und das momentane Aussehen der Schule in Uganda, und Grußbotschaften von Pater Augustin Mugarura (Prof. Kesselgruber „erbte“ das ungandische Schulprojekt von seiner verstorbenen Ehefrau Maria Kesselgruber, daher hängt daran auch ein sehr persönliches Engagement.)
-) Alltag in Uganda mit Stella Assimwe: Information über Begrüßungsrituale, Namensgebung, Kleidung, Nahrungsmittel, Tagesablauf in Uganda; Fotos → Sicht einer Einheimischen
-) Geschichte Ugandas mit Prof. Zott und Fr. Adelheid Magister, der Inhaberin des Gasthauses „zum grünen Jäger“ in Unterolberndorf, in dem vor genau 25 Jahren das 10-Punkte-Programm des jetzigen - wiedergewählten- Präsidenten Museveni erstellt wurde → Sicht einer Weinviertlerin, die Uganda aus der Perspektive eines Staatsbesuches kennengelernt hat
-) Landschaft und Landwirtschaft mit Frederik Oberthür (Berater in Entwicklungsprojekten in Landwirtschaft und Umweltmanagement in Afrika, Osteuropa, Zentralasien, Doktorarbeit: Fallstudien in der Viehzucht in Äthiopien und Uganda): ein mit zahlreichen Fotos unterstützter Bericht über die Arbeit und Erlebnisse eines Entwicklungshelfers, der im Zuge seiner Doktorarbeit 4 Monate in Uganda verbracht hat
-) Uganda und Österreich mit Hr. Karl Semlitsch, Präsident der österr.-ugandischen Freundschaftsgesellschaft: erzählte über Sinn und Nutzen der Freundschafts-gesellschaften, die Zusammenarbeit mit ugandischen Studenten in Wien, berühmte Ugander in Österreich (Ibrahim Sekagya von Red Bull Salzburg) und sein persönliches Projekt zur Resozialisierung ehemaliger Kindersoldaten.
Am Ende dieses Stationenbetriebes folgte noch eine allgemeine Feedbackrunde, in der auf großen Plakaten die jeweilige Stimmung der SchülerInnen festgehalten wurde.

4.2. Regelunterricht im Dienste des Projekts
gleichzeitig ab 8.10.2010 wurde Uganda im Regelunterricht in möglichst vielen Klassen und allen Fächern thematisiert und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet – etwa ein Drittel der KollegInnen beteiligte sich am Projekt, alle SchülerInnen der Schule waren im ersten Semester eingebunden.

Auszüge:

Die Erlebnisausstellung „Uganda“ vom Verein „Südwind“, wurde von allen 5. Klassen und einer 6. Klasse besucht, teilweise mit interaktiver Führung mit der Afrikanerin Teclaire Ngo Tam.
Englisch-Unterricht in den 7. Klassen: das Problem der Child-soldiers in Uganda wurde erarbeitet, Klassenlektüre „War child“
Bildnerische Erziehung: Malen von afrikanischen Masken, Bedrucken von T-Shirts mit Landessymbolen mit Constantin Vidal, einem Künstler mit ugandisch-ruandischen Wurzeln.
Geografie: wirtschaftliche Situation Ugandas, geologische Besonderheiten wie der ostafrikanische Grabenbruch wurden besprochen
Biologie: die endemischen ostafrikanischen Buntbarsche und das Problem der Einführung des Nilbarsches im Viktoriasee wurden behandelt, inkl. Film „Darwin´s nightmare“
Musikerziehung: Einstudieren eines ugandischen Initiationstanzes mit Stella Assimwe und Einstudieren von ugandischen Liedern in Luganda (Landessprache); afrikanischer Trommelunterricht im Klassenverband mit einem afrikanischen Trommler (Babatola Aloba)
Instrumentalunterricht Schlagwerk: Erarbeiten von afrikanischen Rhythmen
Theatergruppe: Erarbeitung kurzer Szenen und Standbilder zur Geschichte Ugandas sowie Einstudieren der Moderation für den Charity-Abend
Klassenvorstandsstunde (KIA-Stunde): Kochkurs mit Stella Assimwe (ugandische Nationalgerichte) und immer wieder Treffen, um die Organisation des Charity-Events voranzutreiben.
Religion: Themen Beschneidung und Aids
Deutschunterricht: Erstellen der PPT, Ausdrucksübungen, Rhetorik in Hinblick auf die Moderation
Schulbibliothekare: Literaturankauf für das Thema Uganda

4.3. Organisation des Charity-Events mit den SchülerInnen der 7. Klassen
Außerhalb des Regelunterrichts arbeiten die SchülerInnen der 7. Klassen in folgenden Gruppen, die sie selbst definiert hatten:
- Kochgruppe zuständig für Buffet, an dem afrikanische und österreichische Speisen angeboten wurden
- Programm-Gruppe zuständig für Programmablauf, Regie, Moderation
- Werbe-Gruppe zuständig für Flyer, Einladungen der Ehrengäste, facebook- Werbung
- Kultur-/Dekorationsgruppe zuständig für Dekoration des Stadtsaals
Diese Gruppen verstanden sich als Rahmengruppen, da selbstverständlich manche SchülerInnen mehrfach beteiligt waren, z.B. bei der Gestaltung der Flyer und der Moderation, …
Die SchülerInnen der Theatergruppe, der Instrumentalklasse für Schlagwerk, des Chors bereiteten ihren Teil im Regelunterricht für die Abendveranstaltung vor.
Immer wieder wurden Treffen organisiert, um die einzelnen Arbeitsfortschritte zu vernetzen, Entscheidungen zu treffen und noch ausstehende Dinge zu organisieren. Meist fanden diese Treffen in der sog. KIA (Kommunikation und Interaktion)-Stunde, die es an unserer Schule seit dem Schuljahr 2008/9 jeden Montag gibt, statt.
Es entstand ein Programm mit Moderation und szenischen Darstellungen von Alltagssituationen und Etappen in der Geschichte Ugandas, traditionellen Liedern und Tänzen aus Uganda, mit Powerpointpräsentationen über die Geografie und Natur Ugandas sowie einer Darbietung von afrikanischen Trommelrhythmen.

4.4. Der Abschluss - das große Charity-Event
Die Veranstaltung verlief wie geplant, war gut besucht und kam sehr gut beim Publikum an. Besonders die afrikanischen Lieder und die persönlichen Eindrücke, die jede/r beteiligte SchülerIn am Ende in einem Satz auf der Bühne zusammenfasste, hinterließen Eindruck.
Alle SchülerInnen und beteiligten LehrerInnen waren außerdem in den ugandischen Landesfarben rot, schwarz, gelb oder Teilen davon gekleidet und auch der kleine Stadtsaal wurde dementsprechend dekoriert. An etlichen Wänden wurde der Ablauf des Projektes mit Fotos dokumentiert, sodass sich die Besucher auch nach der Veranstaltung beim gemütlichen Ausklang ein Bild vom Projektgeschehen in der Schule machen konnten.
Zusätzlich wurden Fotoalben mit Bildern der MMM-School ausgelegt.
Die afrikanischen Speisen des Buffets waren schnell ausverkauft und es entwickelte sich ein regelrechter „Rezeptehandel“. Auch der von den SchülerInnen betreute Fair trade Stand, der seine Süßigkeiten und auch ugandischen Kaffee anbot, war gut besucht.
Am Abend selbst wurden Spendengelder in der Höhe von 1500 Euro eingenommen, welche direkt der ugandischen Schule zugute kommen. Verwendungszweck: Errichtung eines Schlafsaales für Burschen.
Die Berichterstattung in regionalen Medien (Bezirksblatt, Homepage der Stadtgemeinde Mistelbach) war sehr positiv.

Das Projekt wurde im Vorfeld beim Bildungsförderungsfonds für Umwelt und Gesundheit eingereicht und für nicht förderungswürdig erachtet.
Allerdings wurde das Projekt mit dem 3. Platz beim ubuntu-Award des Veritas-Verlags ausgezeichnet.

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